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Die etwas andere Literaturliste:

 

 
 

Im 20. Jahrhundert war (und ist es noch) das Ideal vom Menschen wie folgt:

 

Zuverlässig, nützlich, unter allen Umständen funktionierend und mit robustem wohltemperiertem Nervenkostüm ausgestattet.

 
 
 
 
 

Ein Bild von einem Soldaten, für (Produktions-) Schlachten wie gemacht. Menschen mit AD(H)S sind anders. Begeistert sind sie hoch motiviert und genial. Gelangweilt versagen sie gänzlich. Sie funktionieren durch bis zur Erschöpfung hochgespannter Gefühle, oder sind gelähmt wegen gänzlich abwesender Emotionen.

Wenn Sie den Geist des AD(H)S aufnehmen wollen, so können Sie das am besten, wenn Sie sich um die schönen Künste bemühen. Sehr viele der progressiven Kunstschaffenden aller Zeiten hatten und haben Persönlichkeitsmerkmale im Sinne eines AD(H)S.

 
 
 
 
 

Sie wissen da ganz genau worüber sie schreiben. Das lässt sich wegen der damit verbundenen tiefen Empfindsamkeit und Frische mit Genuss lesen!  Es folgt eine kleine Literaturauswahl rund um AD(H)S, nichts Wissenschaftliches. Nein, es geht darum gut unterhalten seinen Geist zu fühlen und auf dessen rastlose Schritte zu hören:

 

 

 
 

Lenz, Georg Büchner

 

Unrast, Getriebenheit, heftige und tiefe Gefühle im Wechsel mit völliger Leere, das ist Lenz. Den Körper nutzt er um sich durch Reize aller Art -zum Schluss meist Schmerzen- selbst zu spüren. Das ist ein von sehr vielen Menschen mit AD(H)S in kreativen Abwandlungen verwendetes Verfahren. Das folgende Abrutschen in einen psychotischen Zustand ist  nicht ungewöhnlich, wenn auch nicht die Regel. Schön, wenn Sie die von Klaus Kinski gelesene Hörbuchfassung ergattern könnten. Der verwandelt sich beim Vorlesen nach und nach in den ihm seelenverwandten Lenz.

 
 

 

 

Die Leiden des jungen Werther,  J. W. Goethe

An diesen einfühlsamen, intelligenten jungen Mann kann man wie im Lehrbuch die diagnostischen Kriterien des AD(H)S bei Erwachsenen anlegen. Das schwierige Kapitel der Verliebtheit wird von Goethe in unvergleichlicher Weise abgehandelt. Die heutzutage oft bestimmenden Probleme am Arbeitsplatz werden bereits aufgezeigt. Und dann: Zu der für AD(H)S in Verlauf und Charakter typischen Erschöpfungsdepression gibt es bis heute keine bessere Schilderung, einzigartig! Übrigens, Menschen, gestrickt wie Werther, waren zu Goethes Zeiten hoch geschätzt. Im „Werther“ jedenfalls steckt jede Menge von seinem „Herzblut

 
 

 

 

Die Schachnovelle, Stefan Zweig

Hyperfokussieren, Sich- Eingraben und Gedankenkreisen im Kampf gegen die tötende Langweile sind das Thema. Diese Mechanismen, die Leute wie Leonardo da Vinci und Albert Einstein zu ihren genialen Leistungen befähigt haben, werden geschildert. Zweig muss das Feuerwerk der rasenden Gedanken sehr gut gekannt haben. Immer schneller dreht sich das Karussell der im Multitasking parallel und vernetzt arbeitenden Gedankenkreise. Am Ende entstehen Chaos und Verwirrung. Einer der bei AD(H)S so häufigen kleinen Abstürze ist die Folge

 
 

 

 

Churchill, Sebastian Haffner

 

Winston Churchill stammt aus dem britischen Hochadel und war einer der großen Männer des 20. Jahrhunderts. Teils von einem ausgeprägten AD(H)S geplagt, teils von ihm beflügelt, hat es ihn in allen Lebensäußerungen bestimmt. Haffner gelingt es in anschaulicher Weise die Konturen des Charakters von Winston aufzunehmen.   Vergleichbarer  zu den von Stefan Zweig geschriebenen Biographien handelt es sich zusätzlich um einen literarischen Geniestreich

 

 

 
 

Armer Pettersson, Sven Nordquist

 

Die Petterssonbücher sind Kinderbücher, Bilderbücher, aber was für welche! Nicht nur, dass sie Spaß machen, der Kontrast vom mürrischen erwachsenen AD(H)S’ler - dennoch ewig kindlich bleibend - und dem hyperaktiven jungen Kater Findus ist genial. In Stimmungen, Handlungen und kreativem Chaos ist in diesen Büchern das ganze Universum des AD(H)S erhalten. Nordquist simuliert mit Pinsel und Stift anschauliche AD(H)S- Freiland- Verhaltensforschung. Wenn unsere „Wissenschaftler“ doch nur so wollten, wie er macht.

 
 

 

 

Die Saga von Kormak Ögmundssohn, Autor?

Menschen mit AD(H)S hält es nicht zu Hause. Auswanderungsländer sind deshalb davon geprägt, z.B. Südafrika und die USA. Im nordischen Mittelalter war das in Island so. Kampfeslust, Umtriebigkeit und Dichtkunst haben die Skalden (Nordische Hofdichter und Gefolgsleute) gekennzeichnet. In der Kormaksaga kommt das von AD(H)S geprägte Wesen eines dieser Menschen besonders deutlich zu Tage. Bei der Gelegenheit wird heutigen Lesern deutlich, dass die aggressive Komponente, die wir heute an AD(H)S fürchten, im frühen Mittelalter zu Führungsaufgaben qualifiziert hat. Der hohe Anteil von AD(H)S’lern im europäischen Hochadel ist ein Relikt dieser Zeit. Als Extraprofit gibt es hohe Dichtkunst. Die Übertragung von Franz Seewald ist auch literarisch absolut lesenswert!

 

 

 
 

Der Steppenwolf, Hermann Hesse

 

Die meisten Bücher von Hesse beschwören die innere Ruhe, die ihm gefangen in seiner Unrast nie vergönnt war. Nur beim Steppenwolf ist das anders, bis in die Beschreibung der AD(H)S- typischen Tagträume und der Sexualität hinein. Wer sich mit dem AD(H)S der Erwachsenen beschäftigt, kommt ohne den Steppenwolf als Bettlektüre schwerlich aus.

 
 

 

 

Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams

Das ist die Ergänzung zur Schachnovelle. Massiv von AD(H)S bestimmt hat Adams seine im scheinbaren Chaos versinkenden Gedanken zum Strukturelement dieses Klassikers gemacht. Wer spüren will, wie rasch, vernetzt, vielseitig und assoziativ das Gehirn eines Menschen mit AD(H)S funktioniert, der sollte D. Adams lesen.Allerdings, seien Sie gewarnt! Nur für wenige Leute ohne AD(H)S ist das ein lockerer Lesegenuss. Für die meisten ist es nervtötend anstrengend, na ja, so wie AD(H)S allgemein als anstrengend empfunden wird.

 

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Fach– und Betroffenenliteratur

 

Die Standardliteratur zu AD(H)S, wie "Zwanghaft Zerstreut", die "Chaosprinzessin" oder die Bücher von Frau Neuhaus, Krause/Krause, Helga Simmchen, Ryffel-Rawak (und viele andere mehr) sind im Büchershop des ADHS Deutschland e.V. (hier klicken) zu finden und zu bestellen. 

Aus Münster kommen bisher Beiträge in verschiedenen Medien und in Fachzeitschriften zum Thema AD(H)S wie den "Neuen Akzenten" (hier klicken) Diese sind mit dem Schwerpunkt des AD(H)S bei Erwachsenen ohnehin lesenswert. 

"ADS - kreatives Chaos" (hier klicken) ist im Kreuzverlag erschienen und entspringt direkt aus der Münsteraner Selbsthilfe.  Geschichtliche und Kulturhistorische Betrachtungen wechseln mit Anekdoten. All das dient einer Beschreibung der Besonderheit der Steuerung der Gefühle bei AD(H)S. Ergänzend wird eine Auseinandersetzung mit der modernen Psychiatrie geführt.