DPCalendar Nächste Termine

Mai
7

07.05.2018 19:30 - 22:30

Jun
4

04.06.2018 19:30 - 22:30

Jul
2

02.07.2018 19:30 - 22:30

Aug
6

06.08.2018 19:30 - 22:30

Sep
3

03.09.2018 19:30 - 22:30

   

Sven Betting Münster schreibt: (Westfälische Nachrichten)


„Auf diesem Nährboden, sagt Sabine M., wachsen Depressionen. Die junge Frau spricht von sehr persönlichen Erfahrungen. Ihr Mann hat ADS, das Aufmerksamkeits- Defizit-Syndrom. Er ist Computerexperte, jemand der Lösungen findet, wo andere verzweifeln. Doch das Staatsexamen schaffte er nur auf den letzten Drücker, mit Hilfe aller Freunde. Er wartete solange, bis der letzte Abgabetermin erreicht war, sagt M.

Im Alltag setzte sich die innere Unruhe fort, machte so manch ruhiges Frühstück schon unmöglich, weil die Kaffeefilter nicht an ihrem Platz waren oder die Butter nicht stets greifbar war. Gebildet sind sie alle, die vier Menschen, die an diesem Morgen an einem kleinen Tisch des Pinkus sitzen und über diesen Alltag sprechen:

Der Studiendirektor, der Arzt, die Doktorandin oder die Ehefrau Sabine M. sie trinken Kaffee. Doch sie eint mehr als eine Freundschaft, mehr als der nette Smalltalk bei feinem Gebäck. Der Small-Talk er wäre für sie mit seiner Substanzlosigkeit ohnehin nicht nur nervig, sondern kaum zu ertragen.

 

Sabine M. hilft ihrem Mann durch das Chaos des Alltages, die anderen drei Menschen erleben das Chaos täglich im eigenen Kopf, müssen sich zum Erledigen von Aufgaben zwingen, brauchen den Druck: Wenn es um Leben oder Tod geht, dann haben wir unsere Momente, sagt Studiendirektor Martin H., selbst vom ADS betroffen. Ihm hilft die enge Struktur der Schule, und manchmal zwingt er sich selbst zur raschen Rückgabe von Klassenarbeiten:

Ich mache den Schülern Versprechungen dann steht er um vier Uhr morgens auf, um die Arbeiten pünktlich abgeben zu können. Wir brauchen den Druck, um zu funktionieren.

 

Den Arzt Christian B. zwang die Krankheit in den Vorruhestand. Sensibel seien Menschen mit ADS, würden bei der Arbeit häufig gemobbt deshalb wollen sie alle anonym bleiben. Von ihrer Krankheit weiß nur das persönliche Umfeld so ist das auch bei der Doktorandin Melanie G., die haarscharf ein Scheitern an der Uni verhindern konnte. Erst spät wurde bei ihr das ADS diagnostiziert.

Da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, warum sie in dem frei zu strukturierenden Magister- Studiengang an der Selbstorganisation zu scheitern drohte ich wusste nicht, warum das alles so schlecht gelaufen ist, sagt die junge Frau, die über eine Selbsthilfegruppe neuen Mut schöpfte und ihr Studium durchpeitschte. Von der Gosse zum Einser-Magister, scherzt sie noch.

 

Die Gesellschaft könne nicht mit ADS umgehen. Schon im Kindesalter gebe es Probleme, vor allem bei der hyperaktiven Verlaufsform: ADSler werden häufig bis zur Hauptschule durchgereicht, sagt Martin H. Dabei sorge für die nicht selten hoch intelligenten Menschen selbst Einstein habe ADS gehabt erst die ungeeignete Umgebung dafür, dass ADS zur Krankheit wird.

Auf einem Bundeskongress (Tagungsgebühr 25 Euro) am Samstag von 14 bis 19 Uhr in der Aula des Schlosses werden neue Erkenntnisse aus der Forschung vermittelt auch ein geplantes Netzwerk für Betroffene wird hier vorgestellt. www.ads-muenster.de

De

 

Freitag, 21. April 2006 | Quelle: Westfälische Nachrichten (Münster) mit freundlicher Genehmigung.