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Eine Mäusegeschichte


Es war einmal eine kleine Maus namens Trixi.
Trixi wohnte mit ihrer Mama und ihrer Oma in einem kleinen Häuschen mitten auf einem Feld. Trixis Vater hatte sich schon vor ihrer Geburt aus dem Staub gemacht. Das Besondere an Trixi war, dass sie ein sehr, sehr kleines Mäuschen war, viel kleiner als die anderen Mäuschen in ihrem Alter. Auß
erdem war Trixi etwas tolpatschig und brauchte zu fast allen Dingen viel länger als die anderen Mäuschen.

In der Nachbarschaft wohnten Trixis Verwandte: Tante Amanda und Onkel Friedrich mit ihren beiden Söhnen Klugolf und Schlaubert. Klugolf hatte seinen Namen wegen seiner sehr hohen Intelligenz bekommen. Auch Schlaubert trug seinen Namen aus diesem Grund.

 

Sehr häufig spielten die drei Mäusekinder Klugolf, Schlaubert und Trixi zusammen. Sie spielten Ball, Fang- und Versteckspiele. Nur kam es leider immer wieder vor, dass Klugolf und Schlaubert Trixi ausschlossen. Sie dachten, Trixi sei zu ungeschickt, um einen Ball zu erwischen, und machten sich über sie lustig, weil Trixi so langsam und begriffsstutzig war, eben eine Schnecke. Und "Schnecke" wurde somit auch Trixis Spitzname.

Sehr oft war Trixi deshalb traurig. Sie träumte dann immer ihren Lieblingstraum: von einem liebenden Mäusevater, der sie aufmunterte, sie liebte und in die Arme schloss.

 

Manchmal weinte Trixi sehr, aber selbst Mama und Oma konnten ihr nicht helfen. Und irgendwie fühlte sich Trixi von ihnen auch nie so richtig verstanden. In der Schule wurde Trixi oft ausgelacht. Die anderen Mäusekinder riefen: „Trixi-Zwerg ist dumm und kann nicht rechnen, Trixi-Zwerg ist eine Schnecke!" usw. Irgendwie begann Trixi all diese Dinge in sich aufzunehmen, und so dachte Trixi sehr lange Zeit, sie sei in der Tat dumm, sogar als sie schon eine erwachsene Maus war.

Doch eines Tages, als Trixi wieder ihren Lieblingstraum träumte, sprach eine leise, ganz sanfte Stimme zu ihr. „Trixi, dein Traum soll kein Traum mehr bleiben, denn ich bin es, der dich erschaffen hat, und ich liebe dich, ich nehme dich gerne in meinen Arm und möchte dir ein Vater sein.“ Bei diesen freundlichen Worten schoss Trixi mit einemmal eine Flut von Tränen aus den Augen; sie weinte und weinte und weinte.

 

Trotzdem glaubte sie aber eine ganze Weile noch, das alles sei nur ein Traum. Erst als sie sich wieder etwas beruhigt hatte, bemerkte sie, dass sie auf dem Schoß einer mächtigen, wunderschönen Maus saß, die sanft ihre Arme um sie geschlungen hatte und sie liebkoste.

Nachdem Trixi einige Zeit still auf dem Schoß der großen Maus gesessen und sich streicheln lassen hatte, sagte diese: „Und übrigens, Trixi, es ist gar nicht wahr, dass du dumm bist! Ich habe dir sehr viele Fähigkeiten mitgegeben! Probier sie einfach mal aus!“

 

Damit begann für Trixi eine ganz neue, sehr spannende Zeit: Sie probierte hunderttausend Dinge einfach aus, die meisten zum aller-, allererstenmal. Dabei kamen ihr zwar anfangs oft noch die alten Gedanken, die ihr sagen wollten, dass sie dumm sei, aber die verloren mit der Zeit immer mehr an Bedeutung. Trixi hatte richtig Freude daran, alle diese Dinge zu versuchen.

Trixis neuer großer und mächtiger Vater erklärte ihr auch noch etwas über Klugolf und Schlaubert. Er sagte, dass es überhaupt nicht sehr klug sei, langsamere oder tapsigere Mäuse einfach auszugrenzen, nur weil sie anders seien. Und dann lobte er Trixi noch, weil sie schon als kleines Kind einen Sinn für Gerechtigkeit gehabt hatte. Trixi kümmerte sich nämlich schon immer um andere Mäusekinder, denen es ähnlich erging wie ihr, die auch einfach ausgeschlossen wurden.
Sicherlich gelang Trixi noch lange nicht alles, was sie nun Neues anpackte.

Oft fiel sie noch auf ihr spitzes Mausnäschen. Aber das machte ihr längst nichts mehr aus; das war sie ja seit jeher gewohnt. Doch jetzt sagte keiner mehr Dummkopf zu ihr, und so ließ sie sich nicht mehr entmutigen. Und je öfter sie etwas probierte, desto besser ging es mit der Zeit auch!

 

Im Laufe der nächsten Jahre wurde sie immer geschickter, und allmählich schauten viele andere Mäuse staunend zu ihr auf und holten sich Ratschläge bei ihr ein. Trixi wurde weit über das Feld hinaus bekannt für ihre Klugheit, und bis an ihr Lebensende half sie sehr gerne mit Rat und Tat den anderen Mäusen, besonders jenen langsameren und tolpatschigeren Mäusekindern, die von ihren Spielkameraden "Schnecke" gerufen wurden.

 

 

Der Schneckenzüchter und seine Rennschnecke


Es war einmal in einem fernen Land ein Schneckenzüchter. Der Schneckenzüchter war ein sehr einsamer Mann, niemand verstand weshalb er Schnecken züchtete. Schnecken waren für die Menschen in dem kleinen Ort in dem er lebte, Ungeziefer die wertvolles Gemüse fressen. Die Leute dachten „wenigstens wohnt der Schneckenzüchter außerhalb des Ortes.“ Der Schneckenzüchter hatte für seine Schnecken ein wahres Gemüseparadies geschaffen. Die Schnecken hatten es richtig gut bei ihm.

Der Schneckenzüchter liebte es immer wieder neue Kreationen von Schnecken zu kreieren. Es gab in seiner Zucht, Schnecken mit Haus, Schnecken ohne Haus, große Schnecken, kleine Schnecken, Weinbergschnecken, Wiesenschnecken, Gemüseschnecken usw.

 

Eines Tages brachte der Schneckenzüchter eine ganz besondere Art von Schnecke empor - eine Rennschnecke - Diese Schnecke war sehr klein, schlank und sah wunderschön aus, sie leuchtete in einem wunderschönem rot, weshalb er ihr den Namen Rotrenn gab. Rotrenn war tatsächlich eine sehr schnelle Schnecke. Der Schneckenzüchter schätze, dass sie ungefähr das Tempo eines Gepards erreichen würde.

Einmal im Jahr gab es in dem Ort, wozu auch Der Schneckenhof des Schneckenzüchters gehörte, ein Tierrennen. Hier nahmen in jedem Jahr einige verschiedene Tiere teil z. B. ein Vogelstrauß, ein Pferd, ein Windhund und natürlich der Gepard. In jedem Jahr gewann der Gepard das Rennen. Die Strecke war in etwa so lang, wie der Gepard Ausdauer hat um das Rennen zu gewinnen. Geparden können ja nur eine bestimmte zeitlang ihre hohe Geschwindigkeit halten.

 

Der Schneckzüchter überlegte sich, Rotrenn zu diesem Rennen anzumelden. Die Menschen in dem Ort lachten sich darüber halbtot, denn Schnecken sind ja bekanntlich langsame Tiere. Der Schneckenzüchter wurde nun für noch verrückter erklärt. Doch das interessierte ihn herzlich wenig. Rotrenn selber freute sich auch sehr auf das Rennen, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte es mit einem Gepard aufnehmen zu können.

Der Tag des Rennens rückte immer näher und als der Schneckenzüchter mit Rotrenn das Renngelände betrat, tobte die Menschenmenge, sie verlachten den Schneckenzüchter und Rotrenn. Beide waren aber ganz entspannt und hörten nicht auf das Gelächter.

 

Dann kroch Rotrenn langsam zum Start, so dass sich wirklich niemand vorstellen konnte, dass sie eine so schnelle Schnecke ist. Rotrenn kam als letzte zum Start gekrochen und plötzlich fing ihr kleines Schneckenherz wie wild an zu rasen. In diesem Moment hätte Rotrenn wirklich nicht schneller laufen können und sie machte sich jetzt riesige Sorgen. Sie liebte den Schneckenzüchter über alles und auf keinen Fall wollte sie hier versagen. Als sie endlich am Startfeld ankam, lachte der Vogelstrauß sich total kaputt und machte sich lustig über Rotrenn, auch das Pferd, der Windhund und der Gepard stimmten mit dem Gelächter ein und spotteten. Am liebsten hätte Rotrenn gerne alles hingeschmissen.

Doch plötzlich hörte sie die Stimme des Schneckenzüchters, der ihr zurief: „Du bist das schönste und aller beste Tier am Start, egal was nun passiert, Du bist auch das beste Tier, wenn Du hier nicht gewinnst und als letztes ins Ziel kommst.“ Da sagte Rotrenn zu sich selber „Ich bin doch hier her gekommen um zu gewinnen, ich bin eine Rennschnecke.“ Dann rief sie dreimal aus ….“Schneck-schneck-lauf“

Gott sei Dank war Rotrenn eine rote Schnecke, so dass man sie auch von weitem auf der Rennstrecke gut sehen konnte.

Als dann der Startschuss viel bemerkte der Vogelstrauß vor lauter sich lustig machen, gar nicht dass der Startschuss gefallen war und wunderte sich, dass alle schon losgelaufen waren. Als er es endlich scheckte stolperte er über seine eigenen Füße und musste aus dem Rennen ausscheiden.

 

Der Gepard überholte Rotrenn, er hielt sich allerdings nicht an die Regeln des Rennens, sondern er versperrte Rotrenn den Weg und drohte, dass er sie fressen oder zertrampeln würde. Er baute sich vor ihr auf und fauchte ihr ins Ohr. „Du brauchst jedenfalls nicht zu denken, dass ich mich von einer lahmen Schnecke besiegen lasse!“ In seinem ganzen Eifer bekam der Gepard gar nicht mit, dass das Rennpferd und auch der Windhund sie überholt hatten. Rotrenn nahm dieses aber wahr und lief los mitten durch die Beine des Gepards.

Bald hatte sie die Tiere wieder eingeholt und überholte sie im Nu. Da schaltete auch der Gepard und sah was geschehen war. Er rannte los, noch schneller als sonst, nur hatte er sich falsch eingeschätzt. Er schaffte es noch das Pferd zu überholen, danach verließen ihn seine Kräfte und er musste ärztlich versorgt werden. Rotrenn gewann das Rennen ohne, dass sie sich groß angestrengt hatte.

Die Menschenmenge tobte in diesem Jahr nicht wie in den vorangegangen Jahren. Sie waren empört darüber, dass der Strauß gleich am Start schon versagt hatte und der Gepard zusammen brach. Doch jeder hatte auch mitbekommen wie die anderen sich über Rotrenn lustig gemacht hatten. Nun aber hatte sie dieses schwere Rennen, was bisher nur der Gepard gewonnen hatte, gewonnen.

 

Viele Menschen bemerkten, dass sie sich in all den Jahren gegenüber dem Schneckenzüchter genauso verhalten hatten und sie gingen zu ihm um sich bei ihm zu entschuldigen.

Somit wurde der Schneckenzüchter ein sehr beliebter Mann im Ort. Rotrenn und die anderen Schnecken lebten bis an ihr Lebensende glücklich bei dem Schneckenzüchter.

 

Mit herzlichen Dank an Biene, die diese Texte 2008 zur Verfügung gestellt hat!