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Dublin

 


Briefe sagen mehr als lange Abhandlungen. Namen und einige andere Kleinigkeiten sind geändert. Der Verfasser dieser Mail wollte anonym bleiben. An einer deutschen Uni war er nicht zurecht gekommen und darüber krank geworden. AD(H)S als Krankheit hier, als Chance da. 

 

 

Hi Du,

lange nicht mehr voneinander gehört. Es freut mich zu hören, dass die Gruppe Fortschritte macht. Ich habe hier in Irland meine Nische gefunden - ganz ohne Medikamente, aufwendige Therapien etc. - und werde so schnell nicht wieder zurück nach Deutschland gehen. Dafür läuft es hier zu gut.

Ausschlaggebend war seinerzeit Dr. Müller-Schulzes Kommentar, dass ich eigentlich doch ganz normal sei (bin ich ja auch ;-) und z. B. in England gar nicht auffallen würde, da die dort wohl alle so ein bisschen wie ich sind. Da Müller-Schulze seinen AiP in England gemacht hat, wusste er wohl ungefähr, wovon er redet. Daraufhin habe ich mich dann schlau gemacht, wie man sich dort bewirbt, gemerkt, dass der Arbeitsmarkt dort deutlich besser ist als in der BRD, und bin dann schließlich im wahrsten Sinne des Wortes in Irland gelandet.

 

Ich arbeite nun bei einem weltweit tätigen Konzern in Dublin, bin nach einigen Monaten zum Assistenten der Abteilungsleitung befördert worden und besuche momentan einen 1jährigen Kurs am College. Spätestens nächstes Jahr werde ich mich weiterbewerben und aufgrund der Erfahrung bzw. dem College-Abschluss mitunter mehr verdienen als meine Kommilitonen mit den ich studiert habe. Hier ist es halt komplett anders wie in Deutschland (guter Arbeitsmarkt, niedrige Steuern, flexible Strukturen - ganz zu schweigen von der entspannten irischen Mentalität).

Irgendwann sagtest Du mal, wie AD(H)S-feindlich Deutschland doch sei: überfüllte Schulen, zu strukturiert etc. Ich kann Dir absolut recht geben. Auf der Arbeit habe ich 1200 Kollegen aus 39 Ländern, die größtenteils alle etwas quirliger, humorvoller, redseliger, spontaner als "die Deutschen" sind.

 

Trotzdem schafft jeder seinen Job und hat auch noch Spaß dabei. Ich frage mich wirklich, warum alles in der BRD immer so ernst, strukturiert, formell etc. ist. Bei den Spaniern, Holländern, Franzosen, Engländern, Iren und weis der Geier wo, kommt man gut ohne diese Eigenschaften aus.

Selbst wenn ich irgendwann mal wieder in Deutschland bin, werde ich wohl nicht mehr zum Gruppentreffen kommen. Diese Lebensphase ist vorbei. Ich weis mich mittlerweile einzuschätzen, kenne die (Arbeits)Umfelder, in denen ich klar komme, und bin selbstbewusst genug, mich auch kritischen Fragen zu stellen.

 

Beste Grüße aus Dublin, auch an den Rest der Gruppe, …

   

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