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„ A Day in a Life“


Es ist ein Tag wie Sonntag. Es ist noch dunkel, da wird er das erste Mal wach- zu früh. Regen prasselt an die Scheiben, inzwischen ist es hell. Er beschließt, der trübe Tag mag beginnen. Sein Kind ist nicht da- nur das Chaos um ihn herum. „Das Telefon seit Jahren still, kein Mensch, der mit mir reden will.“ Die Zeit hat ihn verändert, die Gelassenheit verrinnt. Kennt er das alles nicht bereits, dieses Aufwachen, diese Tage- warum ist es nicht schon Abend?

Er hatte es nie verstanden, warum sich etwas einwerfen, um dann nach 36 h hoffentlich anders aufzuwachen. Da schwirrten Namen herum- Rohypnol sollte das beste sein. Das war vor langer Zeit, beinahe eine andere Welt. Jetzt wäre er soweit.

Seine Freunde tot, gestorben am Leben- als ihr Traum zu Ende geträumt war. Ein schlechtes Gewissen hatte er nicht, nur der Ärger kommt hoch. Es lag an ihm, es hätte Sein Begräbnis sein können- klassische Trauermusik- live. Alles in seiner Hand; aber der Ärger in der Firma, der viel zu stark empfundene Druck. Wo war Sie? Nicht einmal zur Beerdigung erschien er.

 

Der Tote hätte es verstanden, Er, der ihn nicht zur Verabschiedung anrief. Er, der eigentlich zu Besuch kommen wollte, aber dann doch zu stoned war, hat sich nur einmal zum Grab begeben, „White Widow“ im Gedenken.

Sie hatten sich erst kürzlich wieder getroffen- nach Seiner Frankfurter Zeit. Hart arbeiten, streng geregelt leben- nach Kassenlage hin und wieder Mädchen. Er war in der Industrie gelandet. Sie reisten über Pilsen nach Enschede- den Mädchen nach. Die Brasilianerinnen gefielen Ihm am besten, so gut, dass Seine Mutter die Cheques verwalten musste. Er trat neugierig in diese Welt ein,  nicht sein Ding- leider. Seine Ehe war am Ende, vor zwei Jahren hatte er eine Freundin, eine Affäre - nicht einfach so, schon komplizierter- Leidenschaft war im Spiel.

 

Aber wo war Sie, die Mutter seines Kindes, seine letzte Frau? Er spürt den Ärger, die Traurigkeit und Fassungslosigkeit. War er nicht bereits am Ziel gewesen, und er hat dann verloren- seinen Traum zu Ende geträumt? immerhin seine Kalkulation ging auf, sein Einsatz hatte sich gelohnt? Er kann stolz auf seine Falten sein- er sieht alt aus.

Es wird Zeit, dem Tag ins Angesicht zu sehen, noch ist er von der Vergangenheit umgeben. Er ist wieder dort wo er vor 13 Jahren war, 13 Jahre älter, abgekämpft, verbraucht – ohne Ideen, keine Euphorie- nur eine gewisse Traurigkeit und ungewisse Zukunft.

Neun Jahre lief alles gut, er kannte sich aus, hatte klare Positionen-  hatte sein Leben angepasst. „Was hast du  für ein Leben. Das möchte ich nicht.“ Gut gesprochen Trinkgenosse, ja morgen früh hat er Pflichten, muss sich kümmern, holt Brötchen, macht Frühstück und setzt sich nicht an Mutters  gedeckten Tisch. Die achtet auf den „Jungen“. Hat  Fresspaket und Schal bereit in der Hoffnung, dass der „Junge“ sich auch nicht erkältet. Wäre das seins? Mit 19 von zu Hause fort- ohne Bude in der Großstadt. Pennt bei der Freundin des Bruders bis er sein Kellerloch in der Einfamilienhaus Vorstadt Siedlung findet. Das Kontrastprogramm zum gut Bürgerlichen.

 

Heute keine Pflichten, ja außer Finanzkram, Papiere ordnen, putzen, waschen. Aus dem Bett heraus, die Treppe runter und dann der Anblick, der ihn erwarten wird, lässt ihn wieder zurücksinken - um ½ 1 ist es einfach an der Zeit, sich zu stellen.

„Summertime time time time the living is easy“  Ein gutes Gefühl, ein guter Tag über 20°. Sein Kind ist unterwegs, nicht am Treffpunkt. Seine Ungeduld wächst, seine Laune sinkt. Karte kaufen, Kind suchen. Kind gefunden, ein wenig gemault „Summertime..“ was soll es. Es gibt Cola, die Kinderwelt ist wieder i. O.

 

Seine Belohnung bekommt er sofort, er darf seine nette Seite zeigen. Dass ihre Freunde nicht auf die Idee kommen -Wer dürstet, braucht Wasser- ist preisbewusst? 

Die Familienleute verlassen die Party, er und sein Kind gehören zu den letzten. Die interessanten Leute kommen entgegen- Open Air am Strand- auch sie ist dabei, in Begleitung. Sie interessiert ihn, eine Ex der Ex. Er müsste bekannt sein.

Noch vor wenigen Monaten interessierte es nicht, er hatte eine Freundin- 3,5 a sagte sie, als sie Ihn verließ. Er hat nichts gemerkt. Zu dritt hatten sie ihn überredet, es anzunehmen. Irgendwann sagte sein Körper ja, seine Vertraute war sie sowieso, sie arbeiteten mal zusammen- Nachtschicht. Superresultate. Dann kümmerte sie sich, hielt ihm die ‚Verrückte’ fern, die Bank und besorgte das Kindergeld, regelte sein Leben. Sie befreite ihn vom Chaos. Mit dem Chaos ist es eigenartig, irgendwann ist es nur noch destruktiv.

Sie hatte bestimmte Vorstellungen, er nicht. Sie war total verknallt, er? Er war so verknallt, völlig begeistert- seine Augen leuchteten monatelang. Er hatte einfach Glück, er konnte nichts dafür, es hatte sich so ergeben. Seine Frau war weg, eigentlich sollte er sie abholen, hatte den Abend vorher gesoffen und gekifft, lag komatös zu Bett. Zuviel Gas. 

 

Sie rief dann an, sie käme nicht wieder, sie sei bei ihrer Mutter. Scheidung war angesagt, er begriff erst gar nichts. Es ging wirklich um das Ende. Er war das Alleinsein nicht gewohnt, er hatte die kurze Zeit ihrer Abwesenheit genossen, aber allein einschlafen?

Da kam Sie. Irgendwie seelenverwandt. Seine Träume standen vor ihm. Erst erkannte er den Traum nicht, dann traf der Hammer; Sie war da und nahm ihn. Sie fuhren an die Küste. Sie schlief nicht mit ihm, Sie schlief nicht bei ihm. Sie sagte, er könne ihre Freundin bumsen, das sei Ihr egal, es ist dann allerdings Schluss mit Ihr.

Sie lud ihn ein, eine blaue Schleife im Haar, ein unvergessliches Bild. Ihre Farben abgestimmt auf Ihr Haar, das er so liebte. Das ungleiche Paar. Sie erlöste ihn auf der Insel. Er sitzt auf dem Balkon. Es war ½ 4, der Tag so gut wie gelaufen, ein Tag ohne Pflichten, einfach aufgeschoben. Je weiter weg, desto schwieriger. Das Chaos bleibt und er weiß wie das enden wird. Aber das Kind wird ihm helfen, nur seine Anwesenheit. Die erinnert ihn und er macht, es erinnert ihn, wenn er wieder waschen muss. Ein gutes Team.

Das Kind wird groß, verändert sich, wird Jugendlicher. Die Erkenntnis traf ihn plötzlich- die Konsequenzen auch. Er hat Zeit. Da ist sie wieder, die Ex der Ex. Sie macht ihn nervös, unruhig. Aber sie rannte nicht davon. Sie fragte, ob er schüchtern sei. Es war ein schöner Abend. 

 

Er merkt etwas, mit Verzögerung am nächsten Tag- lange war nichts passiert. „Kein Gefühl; da bleib ich kühl“. Die Lernphase hatte er hinter sich- den Ehefrauen sei Dank.

Er wollte sich wieder einlassen, es sollte wieder knallen, wie damals mit Ihr.

Die Trennung sein Waterloo, Anette entrüstet „Du liebst die Frau ja“. Es war ihm gar nicht bewusst. Er hatte loslassen müssen, er hatte diesen Traum bis zum Ende geträumt, bis er Sie nicht mehr aushalten konnte, bis sein Körper rebellierte. Er hatte sich getrennt und liebte Sie- kein Weg, die Traurigkeit blieb.

Da war das Kind, es stand zwischen ihnen und vereinte sie. Aber sie trafen sich nicht, ihre Liebe ging ins Leere, ihr Misstrauen, ihre Eifersucht nicht. Er kam schon immer gut mit Kindern klar, seine Nichten und Neffen hatte er gemocht und sie auch ihn. Die einen hatte er mit der Scheidung verloren, der andere ist jetzt in Neuseeland. Getroffen hatten sie ihn noch einmal. Im Schwimmbad sprach ihn ein großer Junge an. Er schnallte  erst gar nichts- es war Max. Max holte seine Schwestern. Zusammen mit seinem Kind gingen sie zu ihm- zum Mittagessen. Ihre Mutter informierten sie telefonisch.

 

Mit seiner Frau wollte er erst keine Kinder, er hatte anderes im Kopf und Kinder besitzen, ohne sich wirklich mit ihnen zu beschäftigen, kannte er. Nein, seine Kinder sollten für ihn wichtig sein, ihr Heranwachsen wollte er erleben.

Es schellt, es ist 7 und der Tag gelaufen. Sein Kind ist da, morgen ist wieder Schule.

 

Anonymus kreativus ´08