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AD(H)S und Zwänge


Was sind eigentlich Zwänge?

 

Betroffene einer Zwangsstörung leiden unter Gedanken bzw. Handlungen die sich den Betroffenen immer wieder aufdrängen und als quälend empfunden werden, jedoch immer wieder umgesetzt werden müssen. Z.B. leiden viele Patienten darunter, elektrischen Geräte, Wasserhähnen u. ä. zu kontrollieren. Immer wieder will man sich sicher sein, dass z.B. der Herd auch wirklich aus ist. 

Dieses Sicherheitsgefühl stellt sich bei Menschen mit einer Zwangsstörung nicht ein. Durch das ständige Ausführen des Zwangsrituals verstärkt sich der Zwang und Betroffene erreichen immer schwerer ein Gefühl der Sicherheit. Neben Kontrollzwängen gibt es auch Wasch- und Putzzwänge, Ordnungszwänge, Zählzwänge, Gedankenzwänge und Grübelzwänge.

 

Wo nun besteht ein Zusammenhang zwischen Zwängen und ADS?

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich hierzu sagen, dass die Zwänge sich zum Teil aus einer realen Begebenheit entwickelt haben. Z. B. bei der Kontrolle des Herdes, ist der Herd wirklich aus, habe ich ihn wirklich ausgestellt? Diese Unsicherheit hat sich eingestellt, nachdem es mir tatsächlich einige Male passiert ist, dass meine Herdplatte schon rot war, der Topf schwarz angekokelt war und ich in der Küche kaum noch atmen konnte weil es schon total nach Qualm stank.

Sicherlich kennen das einige Menschen die auch ADS haben, nur ein Teil entwickelt daraus einen Zwang so wie es auch bei mir war. Bei Menschen die „nur“ unter Zwängen leiden ist oftmals kein reales Ereignis vorausgegangen. In einem Blogeintrag von Dr. Martin Winkler habe ich gelesen, dass ca. bei 20 % der ADSler auch zu Zwängen neigen, was für mich persönlich sehr interessant war.

 

Grübeln

Ein weiteres Phänomen, so wie ich es persönlich inzwischen immer mehr empfinde, ist das Beispiel von Grübelzwängen. Immer wieder kann ich mich selber in Frage stellen, z. B. auch über die Diagnosen: „Habe ich wirklich ADS? Habe ich wirklich Zwänge?“. Immer wieder stelle ich alle Für und Dagegen nebeneinander und kann den ganzen Tag nichts anderes tun.

Ich möchte eine 100 %ige Sicherheit der Diagnosen und versuche sie irgendwie zu erlangen, z.B. indem ich meine Freunde, den Therapeuten oder in entsprechenden Foren nachfrage. Doch nützt mir keine Antwort etwas – im Gegenteil es wird schlimmer. Weitere Gedanken sind z.B. die Fragestellung:


„Habe ich vielleicht etwas Schlechtes getan oder könnte ich vielleicht etwas tun was ich eigentlich nicht will?  Ich bin ja tatsächlich manchmal etwas aggressiv und impulsiv, da könnte ich ja vielleicht im Affekt jemanden etwas antun.“ Diese Gedanken drängen sich auf und je mehr ich mich dagegen wehre, desto schlimmer werden sie. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass ich das brauche um mir meine Langeweile zu vertreiben, denn ich muss immer etwas denken.

Andererseits habe ich auch das Gefühl, dass ich durch Zwänge versuche mein „chaotisches Denken“ zu kontrollieren.  Bei Zwängen denkt man sehr einseitig und man kann gar nichts anderes mehr denken, was einem auch erstmal Ruhe schaffen kann vor diesen 1.000 Gedanken, die man manchmal im Kopf hat.

 

ADS Zwängler - Anders Zwängler

Interessant ist, dass Menschen mit Zwängen und ADS wieder mal „anders“ sind, nders als andere Zwangsbetroffene. Ab und an hört man mal, „Ich glaube ich habe aus Langeweile Zwänge“, aber selten hört man wie z.B. beim Kontrollzwang, dass reale Begebenheiten dahinter stehen.

Was ich persönlich selbst auch als „anders“ empfinde ist die Fähigkeit, dass ich in einer Zwangssituation auch andere Assoziationen für Angst auslösende Gedanken finden kann, was mir schon sehr geholfen hat. Man hat kürzlich in einer Studie herausgefunden, dass Menschen mit Zwängen tatsächlich sehr einseitige Assoziationen haben, was ich von mir persönlich nicht behaupten kann und da vermute ich, dass es sich auch bei anderen ADSler’n sich anders verhalten wird.

 

Zu Guter Letzt

Liebe Leser,

ich frage mich in letzter Zeit häufiger, ob wir Zwängler mit unseren besonders ausgestatteten Gehirnen wirklich so unnormal sind, wie wir oft von uns denken. Was aber heißt überhaupt normal? Darin steckt doch dieses Wort "Norm"... Gibt es also Menschen nach DIN-Norm????

Tja, manchmal kommt mir unsere heutige Gesellschaft tatsächlich so vor. Sobald jemand nicht in das Schema der heutigen Zeit passt, gilt er als "unnormal" oder etwa nicht? Wenn ich dann weiter überlege was heutzutage alles normal ist, bin ich wiederum froh nicht normal zu sein. Denn ist es normal, dass jugendliche Amokläufer z.B. durch unsere Schulen rennen, ist es normal dass Menschen kaum noch aufeinander Rücksicht nehmen, dass so viele Ehen geschieden werden, dass Eltern ihre Kinder wegwerfen?

Meine Güte, da bin ich ja direkt froh ein Zwängler zu sein, denn uns kommen vielleicht so schwachsinnige Gedanken, aber ausführen würden wir das ja niemals!!! Außerdem kommen uns solche Gedanken gerade deshalb, weil wir garantiert nichts Schlimmes machen möchten, sondern ganz im Gegenteil.

Könnte man dann nicht eigentlich sogar eher stolz darauf sein, ein Zwängler zu sein? Was aber jetzt nicht heißen soll, dass wir uns von diesen Zwarschis (Zwangsgedanken + Ars...is) verrückt machen lassen sollten.  Nein, Nein - ganz im Gegenteil wie könnte ich das behaupten, wo ich doch seit einigen Wochen diesen lästigen Blödsinn endlich losgeworden bin...

Was ich aber sagen möchte ist, wie wäre es wenn wir uns mehr als das betrachten was wir wirklich sind... Nämlich als LIEBENSWERT, WERTVOLLE Menschen.
Ich bin jedenfalls überzeugt, dass wir das sind und ich wünsche mir ihr seht das auch so.

 

Wir danken Biene für die Bereitstellung dieses Textes ´08

 

weiterführende Links: 

Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V. 

Zum Thema Zwänge von Dr. Martin Winkler (web4health)

Informationen der Christoph Dörnier Klinik für Psychotherapie Münster